Der Tag begann kontemplativ: Yoga als Familie, inklusive Sonnengruß und der stillen Hoffnung, dass wenigstens die Verrenkungen freiwillig sind. Danach ging’s zurück an den Schreibtisch beziehungsweise ins Schulheft – gelernt und gearbeitet wurde bis 13:00 Uhr, unterbrochen nur von den wirklich wichtigen Terminen des Tages: der Fütterung von Felix und Bella, den beiden Streunern, und natürlich unserer eigenen Cashew. Zwölf Beine, drei Mägen, null Kompromissbereitschaft.
Am Nachmittag stand die Hauptstadt auf dem Programm – Podgorica wollte erkundet werden. Der Plan geriet allerdings ins Wanken, noch bevor er richtig begonnen hatte: Heiner wachte mit einem entzündeten Auge auf, und so führte der erste Weg in der Stadt nicht zu einer Sehenswürdigkeit, sondern zum Augenarzt. Zehn Minuten, 30 Euro und eine Tube Creme später war die medizinische Versorgung erledigt – schneller als mancher Kaffee bei uns daheim –, und die eigentliche Stadterkundung konnte endlich beginnen.
Erste Station: der Gorica-Park, quasi der Hausberg von Podgorica, nur eben mitten in der Stadt und ohne Höhenmeter – ein grünes Naherholungsgebiet, das man in einer Hauptstadt so nicht erwarten würde. Oben am Hügel wartete ein Hochseilklettergarten in den Baumkronen, und kaum konnte Heiner wieder halbwegs geradeaus schauen, hingen unsere Mädls schon in den Seilen.
Weiter ging’s über die alte Steinbrücke, die über die Ribnica führt – ein echtes Schwergewicht der Stadtgeschichte: Ihre Wurzeln reichen bis in die Römerzeit zurück, im 18. Jahrhundert ließ sie der osmanische Würdenträger Adži-paša Osmanagić wiederaufbauen, weshalb sie bis heute auch Adži-paša-Brücke oder Vezirov most heißt. Damit ist sie die älteste Brücke Podgoricas – ein stiller, fast mystischer Fleck mitten im Verkehrslärm der Stadt. Von dort führte der Weg durch die Altstadt, die Stara Varoš, weiter zum Uhrturm.
Eine Hauptstadt stellt man sich anders vor: An gefühlt jeder zweiten Ecke wird gerade renoviert, einen richtigen, gewachsenen Stadtkern sucht man dagegen vergebens. Auffällig viele kleine Geschäfte und Greißler, und zwischen Bauruinen und alten Gebäuden stehen mal wunderschöne Neubau-Villen, mal ein Müllhaufen oder ein verwildertes Grundstück – Übergangszonen scheint Podgorica nicht zu kennen. Am ehesten kommt uns da noch die Stara Varoš wie ein gewachsener alter Ortskern vor.
Spät ging es zurück zum Campingplatz, wo ausgerechnet die Nacht zur eigentlichen Herausforderung wurde – ordentlich windig, an erholsamen Schlaf war kaum zu denken. Morgen soll es weitergehen, Richtung Albanien. Nach dieser Nacht kann das neue Land eigentlich nur ausgeschlafener werden.
Sag Bescheid, falls dir eine Stelle (z. B. der Kaffee-Vergleich oder „Übergangszonen“) zu dick aufgetragen oder noch zu zurückhaltend ist – dann schärfe ich gezielt nach.












