Tropical beach

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Tag 10 – Vom Abschiedsschmerz zum Kunst(t)raum

Gott, fiel dieser Abschied schwer. Und ja, ich weiß, einige von euch haben insgeheim schon darauf gewettet, dass wir den kleinen Vierbeiner vom Campingplatz adoptieren – ich muss euch enttäuschen: nein. So zuckersüß er auch ist und so gern wir ihn mitgenommen hätten, es geht leider nicht. Auf dem Campingplatz findet er sicher bald gute Besitzer, und versorgt wird er dort ohnehin auch vom Platzbetreiber selbst. Also hieß es Abschied nehmen – Tränen, Trennungsschmerz und kunstvolles Hinauszögern, all inclusive. Immerhin: Auch die Kids haben verstanden, dass die Einfuhr eines Hundes in die EU mit verdammt viel Zeit und Papierkram verbunden ist und wir das in sechs Wochen schlicht nicht schaffen. Verstanden heißt allerdings noch lange nicht verkraftet.

Mit zwei traurigen Kindern auf der Rückbank rollten wir weiter, und schon nach einer Stunde stand die albanische Grenze vor uns. Was uns sofort ins Auge sprang – ausnahmsweise nicht nur Heiner –, waren die vielen Rauchsäulen am anderen Ufer des Skadarsko jezero, auf montenegrinischer wie auf albanischer Seite. Waldbrand. Kein guter Empfang, und der erste Eindruck vom neuen Land wurde auch danach nicht besser: sehr, sehr viel Müll am Straßenrand und gleich sieben verhungerte Straßenhunde entlang der Straße. Nach unserem Abschied am Morgen ein Anblick, der doppelt wehtat.

Weil wir – wie so oft – dringend wieder Internet brauchten, ging es direkt in den nächsten Ort. Dort trotteten uns zur Begrüßung drei wohlgenährte, rosa Schweine über den Marktplatz, dicht gefolgt von einer Herde Schafe. Offenbar ist hier nicht nur das Straßenverkehrsrecht Verhandlungssache, sondern auch die Frage, wer eigentlich Fußgänger ist. Eine herrlich schräge Szene – und die Albaner selbst machten den holprigen Start sofort wett: super, super freundlich und fast alle mit richtig gutem Englisch.

Weiter ging’s nach Shkodra, und spätestens hier wurde klar: Autofahren in Albanien ist anders. Es gilt eine einfache Regel – wer zuerst fährt, gewinnt, wer bremst, kommt nicht weiter. Genau Heiners Ding. Ich dagegen verspreizte mich am Beifahrersitz und musste mich schwer zusammenreißen, nicht im Minutentakt „Vorsicht!“, „Halt!“ oder „Das geht sich nie aus!“ zu brüllen. Zur Erinnerung: Wir haben einen Anhänger hinten dran, und die einspurige Straße wird hier grundsätzlich zweispurig befahren. Heiner? Tiefenentspannt. Ich? Tiefenverspannt. Einen Parkplatz für eine Stadtbesichtigung mit Anhänger zu finden, erwies sich dann erwartungsgemäß als unmöglich – also ab zum Campingplatz.

Und der ist eine Überraschung für sich: ein kleiner, sehr schön angelegter Platz voller Kunstwerke und Installationen, irgendwo zwischen André Heller und Hundertwasser – alles wirkt ein bisschen wie aus einem psychedelischen Traum. Nach dem Grenzstress genau die richtige Dosis Realitätsflucht.

Heiner fuhr anschließend noch einmal in die Stadt, weil sein Auge immer noch nicht besser war, und musste feststellen, dass die Krankenhäuser hier einen ganz, ganz anderen Standard haben als in Österreich. Also übernahm Doktor KI die Sprechstunde – und weil man in Albanien so gut wie jedes Medikament rezeptfrei in der Apotheke bekommt, war auch das Rezept kein Thema. Spoiler: Das Mittel hat geholfen, und seinem Auge geht es heute deutlich besser.

Nach Schwimmen, Lernen, Lesen und Arbeiten fielen wir schließlich ins Bett – hundemüde, wie könnte es an diesem Tag auch anders sein. Bis morgen!

Lisa und Heiner

Wir versuchen die Beiträge zusammen zu schreiben aber jeder hat seine Stärken und Schwächen und so werden es wohl mehr Text von Lisa sein. Ihr könnt ja im späteren Verlauf erraten, wer welche Texte geschrieben hat ;-)