Der Vierbeiner, der sich tags zuvor auf den Campingplatz verirrt hatte, avancierte gestern zum unangefochtenen Star des Tages – und die Kids zu seinen Cheftrainerinnen in Sachen Geduld. Mit Futter in der Hand wurde jede erdenkliche Vertrauensbrücke gebaut, doch der kleine Mann – winzig, höchstens drei Wochen alt – schreibt sein eigenes Drehbuch: Kaum wurde ein bisschen zu forsch geworben, zog er sich zurück, und der mühsam erarbeitete Fortschritt war wieder bei null. Streicheln? Nicht die geringste Chance. Für Anna-Luisa und Fanni hieß das: eigene Wünsche zurückstellen und üben, üben, üben – Geduld, diesmal ganz ohne Schulbuch.
Apropos Schulbuch: Am Nachmittag wurde nachgeholt, was sonst liegenbleibt. Die Englischlektion stand an, die Deutschhefte wurden mit dem Lehrplan der Volksschule abgeglichen, die restlichen Seiten flott erledigt – Unterricht mit Seeblick, sozusagen. Danach ging es aufs Wasser: zwei Kanus, Boot eins mit Anna-Luisa und Heiner, Boot zwei mit Fanni und mir. Dass daraus umgehend ein Wettrennen wurde, versteht sich bei dieser Familie von selbst, Ehrgeiz kennt bei uns schließlich keine Sommerpause. Der Fluss zeigte sich von seiner ruhigen Seite: kein Vergleich zur Klarheit des Meeres, das Wasser eher dezent grünlich – aber schwimmen ging trotzdem, wenn es alle anderen auch tun.
Zum Abendessen ging es diesmal ins nächstgelegene Restaurant, und was für ein Treffer: Die original Fischsuppe war der Hammer, der serbische Salat mindestens ebenso lecker, die Kellner freundlich wie selten. Das ganze Lokal hatte etwas von früheren Zeiten – geraucht werden darf hier noch immer –, und mit 55 Euro für vier Personen passten auch die Preise erfreulich gut zu diesem Zeitgefühl. Fazit des Tages: Vertrauen lässt sich nicht erzwingen, ein Wettrennen schon – und eine gute Fischsuppe sowieso nicht.




