Wir fassen wieder zusammen, diesmal Freitag bis Sonntag. Und um es gleich vorwegzunehmen: Wir haben diese letzten Tage an unserem Strand noch sehr, sehr, sehr genossen. Drei Mal „sehr“ ist kein Tippfehler, das ist Absicht. Was für ein besonderer Ort. Und das Besondere steckt nicht nur im Wasser und im Blick aus der ersten Reihe, sondern in allen, die hier leben, ob auf zwei Beinen oder auf vier. Die Menschen entspannt und herzlich, die Tiere genauso. Man hat fast das Gefühl, hier hat sogar die Tierwelt einen Kurs in Gelassenheit belegt.
Eigentlich wollten wir hier gar nicht mehr weg. Aber der Wetterbericht hatte andere Pläne: Für Sonntag war Regen angesagt. Und Regen im großen Zelt, das muss man sich wirklich nicht antun. Also hieß es am Samstag: Beduinenstadt abbauen. Das große Zelt wurde eingepackt, und wir sind für die letzte Nacht wieder ins Dachzelt umgezogen. Quasi vom Erdgeschoss ins Penthouse, nur mit weniger Quadratmetern. Unsere Weltmeisterschaft im Zusammenpacken hat damit übrigens wieder offiziell begonnen.
Am Sonntag ging es zuerst nach Mystras, und wie beeindruckend ist denn bitte diese byzantinische Stadt? Da zieht sich ein ganzer Berghang voller Kirchen, Klöster, Gassen und Palastmauern hinauf, und man fragt sich ernsthaft, wie man so etwas im Mittelalter ohne Kran zusammengebracht hat. Wir verbuchen ja schon ein Zelt samt Vorzelt als logistische Meisterleistung.
Die Geschichte dazu ist mindestens so spannend wie der Ausblick. Gegründet wurde Mystras eigentlich gar nicht von den Byzantinern, sondern von einem Franken: Wilhelm II. von Villehardouin ließ 1249 auf dem Hügel oberhalb von Sparta eine Burg errichten. Lange durfte er sie nicht behalten. Nach seiner Niederlage und Gefangennahme bei Pelagonia musste er die Festung 1262 an Byzanz abtreten, und unterhalb der Burg wuchs Schritt für Schritt eine ganze Stadt den Hang hinunter. Ab 1349 war Mystras Hauptstadt des Despotats Morea, so etwas wie die heimliche zweite Hauptstadt des Byzantinischen Reiches. Hier wurde gebaut, gemalt, gelehrt und philosophiert. Der Gelehrte Georgios Gemistos Plethon unterrichtete in Mystras und trug die Ideen der antiken Philosophen bis nach Italien, wo sie die Renaissance mit angeschoben haben. Und 1449 wurde hier Konstantin XI. Palaiologos zum Kaiser gekrönt, der letzte byzantinische Kaiser überhaupt. Vier Jahre später fiel Konstantinopel, 1460 dann auch Mystras an die Osmanen. Danach kamen die Venezianer, wieder die Osmanen, Brände und Zerstörung im griechischen Unabhängigkeitskrieg. Als König Otto 1834 das neue Sparta unten in der Ebene gründete, zogen die letzten Bewohner nach und nach den Berg hinunter, und Mystras wurde zur Ruinenstadt.
Dass man heute trotzdem durch diese Stadt spazieren kann, als wäre sie nur kurz in Mittagspause, verdankt man der Archäologie. Schon um 1900 begann der französische Byzantinist Gabriel Millet, die Kirchen und vor allem ihre Fresken systematisch zu dokumentieren. Ab den 1930er-Jahren übernahm die griechische Altertümerverwaltung, allen voran der Architekt Anastasios Orlandos, und restaurierte Kirche um Kirche: die Metropolis, das Brontochion-Kloster, die Peribleptos und die Pantanassa, in der bis heute Nonnen leben. Den Palast der Despoten, einen der ganz wenigen erhaltenen weltlichen Großbauten aus byzantinischer Zeit, hat man über Jahrzehnte wieder aufgebaut. Seit 1989 gehört Mystras zum UNESCO-Weltkulturerbe, und gegraben und restauriert wird bis heute. Die Fresken sind übrigens so farbenfroh, dass man meinen könnte, die Maler hätten gerade erst ihre Pinsel ausgewaschen.
Danach ging es weiter an den letzten Finger des Peloponnes, hinunter unterhalb von Monemvasia. Hier beziehen wir bis Donnerstag ein kleines Haus. Und ja, wir sind ehrlich: Es ist okay. Aber wir hätten uns mehr erwartet. Wobei man fairerweise sagen muss, dass dieses Haus einen undankbaren Job hat. Es tritt direkt nach dem traumhaftesten Strand der Reise auf, und gegen so eine Vorgruppe kann man eigentlich nur verlieren. Nach so einem Ort ist man mit weniger einfach schwer zufrieden.
Dach über dem Kopf: vorhanden. Regen: darf kommen. Erwartungen: in Arbeit.


































