Tropical beach

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Tag 34 – Von der Briefmarkenjagd zur Wildnisbucht

Nach einem Aufbruch im Schnelldurchlauf (Packen können wir ja, siehe gestern) ging es Richtung Polylimnio-Wasserfälle. Vorher stand allerdings noch eine Mission auf dem Programm, die sich als unlösbar herausstellen sollte: eine Briefmarke. Zwei wichtige Briefe warten schon viel zu lange darauf, endlich verschickt zu werden. Also klapperten wir jeden Supermarkt und jeden Souvenirshop am Weg ab. Ergebnis: null. Postkarten in allen Formaten, Magnete in allen Farben, aber keine einzige Briefmarke. Frustrierend, aber auch ein ziemlich ehrliches Zeugnis unserer Zeit: Briefe schreibt hier offenbar nur noch die Familie Taitl.

Am Parkplatz der Wasserfälle empfing uns ein kleines, entzückendes Café mit Souvenirshop (Briefmarken? Natürlich nicht). Ein griechischer Kaffee zur Stärkung, und los ging's. Was uns erwarten würde, wussten wir nicht. Die einzige Info: am besten Trekkingsandalen anziehen, weil man womöglich durch den Wasserfall gehen muss. Spoiler: Man muss.

Kurze Triggerwarnung vorab: Dieser Beitrag ist nichts für Omis & Connis.

Zuerst ging es einen steilen Weg bergab zum ersten kleinen Bach mit Wasserfall. Weil die Sonne es nicht bis ins Tal hinunter schafft, ist es dort schattig und fast ein bisschen düster, aber das Wasser glitzert mystisch in allen erdenklichen Grün- und Blautönen. Der „Weg“ (das Wort verdient hier wirklich Anführungszeichen) will erst gefunden werden, denn gleich zu Beginn ging es mit einem beherzten Sprung über den Bach. Alles noch sehr harmlos. 😉

Danach über unebenes Gelände, immer umgeben von Bäumen und Büschen. Die Kids waren in ihrem Element: Pfadfinderinnen auf Expedition, die jeden Meter dieser Wildnis erforschen wollten. Immer wieder steckten Eisen als Trittstufen in den Steinen, eine Art Wegmarkierung für Fortgeschrittene, die uns zeigte, dass wir noch richtig waren. Dazwischen ein paar Holzstege und Holzleitern, deren Sprossen schon bessere Tage gesehen haben. Manchmal ging es auch direkt im Wasserfall bergauf, über Steine, die erstaunlicherweise rau waren statt glitschig und veralgt. Die Natur hatte offenbar Mitleid mit uns.

Beim ersten See mit „großem“ Wasserfall wurde es dann heikel. Der Alpenverein hätte diesen Abschnitt vermutlich längst gesperrt, mit Schild, Absperrband und strengem Blick. Unsere Mädls aber, trittsicher wie Gämsen, haben auch diese Steigung problemlos bezwungen und oben auf den Felsen gleich noch die Siegerpose geübt. Die einzige echte Schwierigkeit war Cashew, denn klettern kann sie (noch) nicht. Also wurde Heiner an den kniffligsten Stellen kurzerhand zum Hundetaxi, Cashew unterm Arm, die Leiter hinauf. Aber auch sie war unglaublich mutig und trittsicher, und so kamen wir alle heil und unversehrt an einem kleinen Paradies an: ein türkisfarbener Gumpen, in den ein Wasserfall aus den hellen Felsen stürzt. So viel Schönheit, so unberührte Natur, dass es uns allen die Sprache verschlagen hat. Und das will bei vier Taitls schon etwas heißen.

Das Wasser hatte gerade einmal 15 Grad, aber das konnte uns nicht aufhalten. Ein Sprung ins kalte Nass musste sein. Erfrischend, ziemlich kalt, traumhaft schön, in genau dieser Reihenfolge.

Der restliche Weg war geprägt von Gesprächen über die Schönheit dieses Ortes und dieser Natur. Übrigens: Die Mehrzahl der anderen Besucher (viele waren es nicht, sechs weitere Paare) hat umgedreht und den Rundweg nicht beendet. Grund: falsches Schuhwerk oder einfach nicht trittsicher genug. Wir sind unfassbar stolz auf unsere Mädls!!!!

Zurück am Parkplatz gab es zur Belohnung ein Eis und ein T-Shirt (in Griechenland produziert und bio). Das war allerdings weniger Belohnung als Bestechung, denn nur so konnten wir sie davon abhalten, den Weg gleich noch einmal zu gehen.

Danach sollte es eigentlich weiter zum nächsten Campingplatz gehen. Sollte. Unterwegs erkundeten wir eine kleine Bucht, und weil wir dort ganz allein waren, beschlossen wir kurzerhand zu bleiben. Anna-Luisas Wunsch von gestern hat sich also schneller erfüllt als gedacht: Dachzelt auf, Blick aufs offene Meer, keine Stellplatznummer, keine Leinenpflicht, keine Zivilisation weit und breit. Wow, was für ein schönes Erlebnis.

Lisa und Heiner

Wir versuchen die Beiträge zusammen zu schreiben aber jeder hat seine Stärken und Schwächen und so werden es wohl mehr Text von Lisa sein. Ihr könnt ja im späteren Verlauf erraten, wer welche Texte geschrieben hat ;-)