Tag 31 war noch einmal ein Tag zum Durchatmen, bevor es weitergeht. Am Strand gegenüber von Kalamos wurde der Schwemmholz-Parcours vom Vortag offiziell in Betrieb genommen: Hobby Horsing war angesagt. Die Pferde sind aus Stoff, die Hindernisse aus Treibholz, der Ehrgeiz aber ist echt. Wer hier eine Stange reißt, hat keine Ausrede, außer vielleicht den Wind.
Am späten Nachmittag stand dann noch Sport auf dem Programm, verbunden mit dem Nützlichen: ein Lauf nach Mytikas zum Einkaufen, 2,7 km hin und dasselbe wieder zurück. Heiner und Anna sind gelaufen. Fanni und ich waren auch unterwegs, allerdings hauptsächlich im Diskussionsmodus. Ich habe motiviert, argumentiert, verhandelt und wieder motiviert, und ich gebe offen zu: Das war eine Aufgabe, der ich kaum gewachsen war. Gegen so eine Überzeugungsarbeit ist jeder Marathon ein Spaziergang. ABER wir schaffen alles gemeinsam.
Danach gab es ein herrliches Abendessen, und anschließend wurde weitergelesen. Mehr braucht so ein Abend nicht.
Tag 32 begann zeitig, denn wir hatten ein neues Ziel: den Peloponnes. Die Besitzer des Campingplatzes ließen es sich nicht nehmen, uns persönlich zu verabschieden. Für die Erwachsenen gab es Bier zum Mitnehmen und Später-Trinken, für die Kids Baklava. Die beiden sind sooo entzückend. So verabschiedet man sich also auf Griechisch: mit Proviant für alle Generationen.
Dann ging es die Küstenstraße entlang, und die Aussicht hat keine Sekunde nachgelassen. Hinter jeder Kurve wieder Meer, Inseln und Felsen, als hätte jemand die schönsten Postkarten aneinandergeklebt. Bis wir zu dieser beeindruckenden Brücke kamen, die uns auf den Peloponnes brachte: die Rio-Antirrio-Brücke, offiziell nach dem Politiker Charilaos Trikoupis benannt. Knapp drei Kilometer lang spannt sie sich über die Meerenge am Eingang des Golfs von Korinth, getragen von vier mächtigen Pylonen und einem Fächer aus Stahlseilen. Eröffnet wurde sie 2004, kurz vor den Olympischen Spielen in Athen. Gebaut ist sie für Erdbeben und Sturm, und die Pfeiler stehen nicht fest im Meeresboden, sondern sind so gelagert, dass sie sich bei einem Beben bewegen können. Was für ein fantastisches Bauwerk. Wir fuhren mit offenem Mund drüber und haben dabei fast vergessen, dass da unten Wasser ist.
Auf dem Peloponnes war es dann gleich spürbar touristischer als alles, was wir bisher gesehen hatten, und auch viel dichter besiedelt. Nach Wochen mit leeren Buchten fühlte sich ein Kreisverkehr mit fünf Autos schon fast wie Rushhour an.
Unser Ziel war Olympia, die archäologische Ausgrabungsstätte. Hier lag in der Antike das große Heiligtum des Zeus, und hier fanden ab 776 v. Chr. alle vier Jahre die Olympischen Spiele statt, mehr als tausend Jahre lang. Während der Spiele herrschte ein heiliger Waffenstillstand, damit Athleten und Zuschauer sicher anreisen konnten. Zwischen Kiefern und Olivenbäumen liegen heute die Reste von Tempeln, Trainingshallen, Bädern und Schatzhäusern. Vom Zeustempel steht wieder eine einzelne Säule, und schon die lässt ahnen, wie gewaltig dieser Tempel einmal war. Drinnen thronte einst die Zeusstatue des Bildhauers Phidias aus Gold und Elfenbein, eines der sieben Weltwunder der Antike. Gleich daneben steht der Heratempel, vor dem bis heute das Olympische Feuer entzündet wird, bevor es auf die Reise zu den Spielen geht. Seit 1989 gehört Olympia zum UNESCO-Welterbe.
Unser Highlight aber war das Stadion. Man betritt es durch einen gewölbten Steintunnel, durch den schon die Athleten gingen, und plötzlich steht man auf einer langen, flachen Sandbahn zwischen grasbewachsenen Wällen. Auf diesen Wällen saßen einst rund 40.000 Zuschauer. Die Laufbahn misst rund 192 Meter, genau ein „Stadion“, und von dieser Strecke hat das Wort seinen Namen. Der Legende nach hat Herakles sie selbst abgeschritten.
Natürlich mussten wir da laufen. Wettrennen auf der Strecke, auf der vor rund 2.800 Jahren die ersten Olympioniken um den Sieg gerannt sind. Anna und ich haben gewonnen, wobei Anna vielleicht noch eine Spur vorne war. Ich bestehe trotzdem auf Gold für beide. Es war beeindruckend, an diesem Ort zu stehen und zu laufen. Einen Olivenkranz gab es keinen, aber der Stolz war ganz antik.
Danach ging es noch weiter in den Süden, auf einen kleinen Campingplatz ganz weit unten auf dem Peloponnes: Camping Tsapi.



































