Tropical beach

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Tag 29 – Vom Grenzbalken zum Götterblick

Sonntag, Reisetag, und es geht nach Griechenland. Ich muss mich an dieser Stelle einmal selbst loben: Beim Packen sind wir Weltmeister! In 1 Stunde und 20 Minuten war alles im Auto verstaut, und wir waren auf dem Weg nach Griechenland. Nach fast vier Wochen Training sitzt bei uns jeder Handgriff, die Boxengasse in der Formel 1 könnte sich da noch etwas abschauen.

An der Grenze waren wir dann auch, und zwar für genau 1 Minute. Denn mit unserer kleinen Cashew durften wir an diesem Grenzübergang nicht einreisen. Der Grieche, der uns diese Nachricht überbringen musste, war super sympathisch, und wir nahmen es mit Humor. Wir hätten uns halt besser informieren müssen. Shit happens. Also umgedreht, beim Vorbeifahren noch einmal unserem heutigen Startpunkt gewunken, als hätten wir etwas vergessen, und dann 70 km zum „richtigen“ Grenzübergang.

Aber wie das Leben so spielt: Genau auf diesem Umweg kamen wir spontan und völlig ungeplant an jenem Ort vorbei, den wir unbedingt sehen wollten, der uns aber eigentlich zu weit entfernt schien: die Quelle „The Blue Eye“, auf Albanisch Syri i Kaltër, das „Blaue Auge“. Sie liegt versteckt in einem kleinen Waldstück an der Straße zwischen Saranda und Gjirokastra, rund 20 km von Saranda entfernt.

Was hier passiert, ist eigentlich ein unterirdisches Wunder: Das Regenwasser aus dem Karstgebirge Mali i Gjerë versickert im Kalkgestein, wandert durch ein weit verzweigtes Höhlensystem und drückt dann an genau dieser Stelle mit voller Kraft wieder an die Oberfläche. Es ist eine sogenannte Karstquelle, und zwar eine ziemlich mächtige: Sie ist der Ursprung des Flusses Bistrica, der nach rund 25 km südlich von Saranda ins Ionische Meer mündet. Wie tief der Quelltopf wirklich ist, weiß bis heute niemand genau. Taucher sind bis in 50 Meter Tiefe vorgedrungen, und auch dort war noch lange kein Ende in Sicht.

Und dann diese Farben! In der Mitte ein fast schwarzes, tiefes Blau, das wie eine Pupille aussieht, rundherum ein Ring aus leuchtendem Türkis und Smaragdgrün. Daher auch der Name. Das Wasser ist so klar, dass man jeden Stein und jede Wasserpflanze am Grund erkennt, und es hat das ganze Jahr über eisige 10 Grad. Wer hineinspringt, wird also nicht nur blau angeschaut, sondern auch ganz schnell selbst blau. Seit 1996 steht die Quelle als Naturdenkmal unter Schutz. Weiter unten staut sich das Wasser zu einem türkisen See, über dem an diesem Tag Nebelschwaden hingen, als hätte jemand eine Nebelmaschine für unseren Besuch eingeschaltet. Kajaks lagen am Ufer, und in einem kleinen Café standen die Tische direkt im seichten Wasser.

Was für ein Naturspektakel, soooo unfassbar schön! Der ganze Ort wirkt magisch und mystisch, als hätte jemand mitten im Wald ein Stück Himmel vergraben. Die Mädls hingen gebannt über dem Geländer und konnten sich kaum sattsehen. Das Schicksal meinte es also gut mit uns. Danke!

Danach ging es dann wirklich nach Griechenland. Am neuen Grenzübergang hat man uns und unseren Hund nicht einmal eines Blickes gewürdigt, sondern einfach durchgewunken. Erst darf Cashew gar nicht rein, dann interessiert sich niemand für sie. Naja, so ist es eben.

Kaum in Griechenland, fällt sofort auf, wie sauber hier alles ist. Albanien ist da leider noch etwas hinten nach. Hier wirkt alles aufgeräumt, am Straßenrand liegt kein Müll herum, und auch die Bauruinen halten sich in Grenzen und stehen nicht so gehäuft in der Landschaft wie in Albanien. Wir fuhren weiter in den Süden und landeten am Abend auf einem Campingplatz gegenüber der Insel Kalamos. Der Anblick des Meeres mit den vielen Inseln ist unfassbar schön und mystisch, und spätestens da war klar: Wir sind im Land der Götter angekommen.

Lisa und Heiner

Wir versuchen die Beiträge zusammen zu schreiben aber jeder hat seine Stärken und Schwächen und so werden es wohl mehr Text von Lisa sein. Ihr könnt ja im späteren Verlauf erraten, wer welche Texte geschrieben hat ;-)