Tropical beach

,

Vom Yogamorgen zur Bootspartie

Heute ist Sonntag. Eigentlich der perfekte Tag zum Ausschlafen, aber mein Körper hatte offenbar andere Pläne. Schon um 6:30 Uhr war ich hellwach, und irgendetwas zog mich nach draußen. Also ab an den Strand, Yogamatte ausgerollt und die unfassbare Stille des Morgens genossen. Kein Wind, kein Motor, keine Stimme, nur das leise Plätschern der Wellen und ein Himmel, der sich langsam hell färbte. Nach zwei Wochen ständigem Beisammensein ist es zwar noch kein Lagerkoller, aber glaubt mir: Eine halbe Stunde allein, in Ruhe und ohne Unterbrechung, ist eine ganz, ganz, ganz besondere Zeit und sehr kostbar. Kein „Mama, wo ist …?“, kein „Mama, schau mal!“, nur ich, der Sonnengruß und das Meer. Selten hat sich ein herabschauender Hund so sehr nach Urlaub angefühlt.

Danach ging der Trubel los, denn mein Mann hatte eine Idee. Er wollte den Stellplatz wechseln, weil wir die Abendsonne auch auf unserem Platz genießen und noch näher am Meer sein wollten. Und wer Heiner kennt, weiß: Wenn er eine Idee hat, wird sie nicht lange diskutiert, sondern umgesetzt. Also los ging’s. Jeder packte an, Zeltstangen wanderten, Kisten wurden geschleppt, Heringe gezogen und wieder eingeschlagen. Nach 1 Stunde hektischen Treibens stand alles wieder, genau 30 Meter weiter. Ein Umzug, für den man in Österreich wahrscheinlich eine Meldebestätigung bräuchte, hier dafür nur starke Nerven und ein bisschen Muskelkraft. Und mein Mann? Happy. Und wenn Heiner happy ist, ist die ganze Familie happy.

Für die ganze Mühe gab es dann eine Belohnung, die sich gewaschen hatte: fantastische Linguine mit jeder Menge Scampi und Knoblauch. Die Campingküche hat damit einmal mehr bewiesen, dass sie so manchem Restaurant Konkurrenz machen kann. Was für ein Genuss! Der Knoblauch war dabei so großzügig dosiert, dass wir uns vor Vampiren heute Nacht definitiv keine Sorgen machen müssen. Vor Gelsen leider schon, aber dazu später.

Am Nachmittag trainierten die Kinder wieder am Strand, die Handstand-Challenge von gestern verlangt offenbar nach einer Revanche. Fanni schrieb außerdem ihre zweite Bildgeschichte. Es wird, es wird. Man merkt richtig, wie die Geschichten von Mal zu Mal mehr Form annehmen.

Um 17:00 Uhr fanden wir uns dann auf der kleinen Insel ein, denn es stand ein kurzer Bootsausflug auf dem Programm. Der Besitzer des Campingplatzes lud alle zu einem kleinen Umtrunk mit Pizza ein, und dann fuhren wir hinaus aufs Meer. Was für eine tolle Stimmung! Ich genoss die Sonne auf meiner Haut, während die Kinder im oberen Stock des Bootes balancierten und es liebten, wie das Boot schwankte und die Wellen das Licht zurückwarfen. Für die beiden war das besser als jede Achterbahn, nur mit Meerblick und ohne Anstehen.

Mein Blick suchte immer wieder den Horizont ab, in der stillen Hoffnung, irgendwo eine Rückenflosse zu entdecken, einen Delfin oder vielleicht sogar einen Wal. So viel Glück hatten wir dann doch nicht. Die Delfine hatten heute wohl ihren freien Sonntag. Trotzdem war es einfach himmlisch, und wir alle genossen diese Stunde auf dem Wasser. Es ist eben ein besonderes Gefühl, am Wasser zu sein: Die Sorgen werden nichtig und das Glück unendlich. Da draußen, zwischen Himmel und Meer, wirkt alles andere plötzlich sehr weit weg und sehr klein.

Am Abend saßen wir dann noch auf unserem neuen Platz und bewunderten den Sonnenuntergang und die besondere Färbung des Himmels, irgendwo zwischen Pfirsich, Rosa und Flieder. Und siehe da: Der Umzug hat sich gelohnt, die Abendsonne kommt jetzt direkt bei uns an. Ein schöner Abschluss dieser Woche. Getrübt nur von Millionen Gelsen, die hier leider überall am Campingplatz unterwegs sind und offenbar ebenfalls beschlossen haben, den Abend mit uns zu verbringen, allerdings mit deutlich weniger Rücksicht auf unsere Waden. Der Knoblauch hat sie jedenfalls nicht abgeschreckt, so viel zur Theorie.

Woche zwei: abgeschlossen. Mit Salz auf der Haut, Sonne im Herzen und ein paar Gelsenstichen als Andenken.

Lisa und Heiner

Wir versuchen die Beiträge zusammen zu schreiben aber jeder hat seine Stärken und Schwächen und so werden es wohl mehr Text von Lisa sein. Ihr könnt ja im späteren Verlauf erraten, wer welche Texte geschrieben hat ;-)