Die erste Nacht in unserer neuen „Villa“ war ein Traum. Wer zwei Wochen lang im Dachzelt geschlafen hat, kann sich über ganz banale Dinge freuen: aufrecht stehen oder eine Hose anziehen, ohne dabei jemandem den Ellbogen ins Gesicht zu rammen. Und weil sich das Wetter offenbar für gestern entschuldigen wollte, stand heute ganz groß auf dem Programm: ein entspannter Tag am Meer.
Gestartet haben wir mit einem Strandlauf, ca. 4 km lang. Unser Strand ist wunderschön und gepflegt, die anderen Buchten leider nicht. Fanni brachte es beim Laufen trocken auf den Punkt: „Wir laufen über Müllhalden.“ Und damit hat sie leider recht. Die anderen Buchten sind übersät mit Seegras, Plastikflaschen und Müll. Man läuft dort weniger einen Strand entlang als durch einen Hindernisparcours, dessen Hindernisse eigentlich in die Mülltonne gehören. Umso mehr wissen wir unser kleines, sauberes Stück Paradies zu schätzen. Der Platzbesitzer hält es offenbar mit derselben Hingabe in Schuss, mit der andere ihren Vorgarten pflegen.
Zurück am eigenen Strand ging es nahtlos weiter mit Gymnastik, und dann wurde es sportlich: Handstand-Challenge! Wer hält am längsten? Wer steht am geradesten? Wer schafft es, dabei noch zu grätschen, einen Spagat einzubauen oder gleich eine Brücke hinterherzuschieben? Die Mädels turnten sich durch ihr gesamtes Repertoire, und der Sand sah danach aus wie nach einem Meteoritenschauer: Krater, Abdrücke und Rutschspuren, so weit das Auge reicht. Ich habe mich natürlich auch kopfüber gewagt. Wenn schon Challenge, dann mit vollem Einsatz. Spaß hatten wir jede Menge, denn am Strand fällt man wenigstens weich.
Es ist Samstag, und obwohl die Kids noch ein bisschen Schulisches zu erledigen hatten, haben wir den Tag einfach genossen. Gespielt, auf dem Airtrack trainiert und Hundetraining gemacht, und zwar nicht mit Fantasiepferden, sondern mit einem echten Vierbeiner. Der große Strupi, der Streuner vom Strand, hat sich nämlich kurzerhand selbst in unsere Familie eingeladen. Er liegt geduldig im Sand, während die Mädels turnen, trottet uns hinterher, wohin wir auch gehen, und lässt sich von den Kids mit erstaunlicher Gelassenheit Kommandos beibringen. Ob er wirklich versteht, was „Sitz“ heißt, oder nur hofft, dass dabei etwas Essbares herausspringt, lassen wir mal offen. Nach dem schweren Abschied vom Welpen vor ein paar Tagen tut so ein treuer Strandbegleiter jedenfalls allen gut, auch wenn wir diesmal von Anfang an wissen, dass er hierbleibt.
Am Nachmittag ging es wieder über den Steg auf die kleine Insel. Die Mädels haben getöpfert und „gatschelt“, also mit größter Hingabe Ton geknetet, geformt und auf den warmen Felsen zum Trocknen ausgelegt. Eine kleine Freiluftwerkstatt mit Meerblick, deren Kunstwerke irgendwo zwischen Muschel, Keks und moderner Skulptur liegen. Vor allem aber haben sie die unbeschwerte Zeit genossen, ohne Programm, nur mit Sand an den Händen und Sonne im Gesicht.
Wir haben währenddessen wieder gearbeitet, aber ganz entspannt, bei traumhaftem Ausblick und einem leckeren Aperol. An so ein Büro könnte man sich gewöhnen: Holztisch statt Schreibtisch, Wellenrauschen statt Druckergeräusch, und die Sonne glitzert im Meer statt auf dem Bildschirm. Nur die Mails sind leider dieselben geblieben.
Am Abend haben wir inzwischen unser eingespieltes Ritual: Zuerst lesen wir mit Fanni das Buch „Der kleine Grimlin“, danach mit Anna „Harry Potter“, und dann wird gekuschelt und geschlafen. Zwei Bücher, zwei Welten, und am Ende landen alle im selben Land der Träume. Tag 14: kopfüber, tiefenentspannt und genau so, wie wir uns das vorgestellt haben.















