Manchmal hat man Glück, manchmal nicht. Diesmal spielte das Wetter nicht mit: Für den ganzen Tag war starker Regen angesagt. Aus dem großspurigen „Morgen: Leinen los“ von gestern wurde also eher „Morgen: Plan ins Wasser“. Für die Fähre hätten wir 200 € bezahlen müssen, und das für eine Fahrt, die bei Regen nicht nur kalt, sondern auch völlig ohne Sicht gewesen wäre. 200 € für zweieinhalb Stunden Nebel mit gelegentlichem Felsverdacht? Nein danke.
Also fiel die Entscheidung kurzfristig: Um 6:30 Uhr bauten wir das Zelt ab, denn um 7:00 Uhr sollte es zu regnen beginnen, und wir wollten die Reise Richtung Süden fortsetzen. Die Wettervorhersage war ausnahmsweise auf die Minute pünktlich. Kurz nach 7 Uhr war alles verstaut, und kaum saßen wir im Auto, ergoss sich der Regen. So ein Timing schafft sonst nur ein Schweizer Uhrwerk. Also wieder zurück die Serpentinen hinunter und weiter Richtung Tirana.
Dann galt es, einen passenden Ort für die nächsten Tage zu finden, denn vom Fahren und von kurzen Stopps hatten wir jetzt genug. Mit Claude war schnell eingegrenzt, wo es hingehen soll: Wir gaben eine Liste mit Punkten ein, die der Campingplatz unbedingt haben muss, dazu ein paar optionale Wünsche, und schon hatten wir eine Liste passender Plätze. Also sahen wir uns gleich den ersten an, und der war ein Volltreffer. Kaum etwas los, aber nur, weil gerade Nebensaison ist. Der Platz ist liebevoll gepflegt, die Sanitäranlagen sind toll, der Besitzer ist nett, es ist ruhig, und unser Stellplatz liegt direkt am Meer. Perfekt. Da hat sich die Checkliste richtig bezahlt gemacht.
Ein gewundener Steg führt über das Wasser zu einer kleinen, idyllischen Insel mit Restaurant und Liegeflächen. Alles ist liebevoll gestaltet und wirkt unglaublich romantisch. Würde hier jemand einen Heiratsantrag machen, es würde keinen wundern.
Dann kam der große Moment: Zum ersten Mal auf dieser Reise bauten wir unser großes Zelt auf, das erste Mal seit 4 Jahren überhaupt. Nach kurzem Überlegen und gemeinsamem Erinnern („Welche Stange kommt da nochmal hin?“) klappte es wie geschmiert. Das Muskelgedächtnis hält offenbar länger als gedacht.
Und plötzlich haben wir zum ersten Mal seit unserer Abfahrt wieder einen Raum, in dem wir aufrecht stehen können und uns nicht ständig gegenseitig auf die Füße steigen. Nach knapp zwei Wochen Dachzelt fühlt sich das an wie der Umzug von der Einzimmerwohnung in eine Villa. Ein tolles Gefühl!
Nach einem Sundowner im Restaurant, einer Partie „OK Play“, Lesen und Kuscheln ging es wieder ins Land der Träume. Fähre verpasst, Paradies gefunden. Tauschen würden wir nicht.
Unterwegs dann eine kleine Denksportaufgabe für euch: Was glaubt ihr, was diese riesigen Gebäude sind und wofür sie verwendet werden? Solche oder so ähnliche Prachtbauten begegnen uns hier immer wieder, gern mit Säulen, Palmen und einer Portion Versailles am Straßenrand, oft mitten im Nirgendwo neben einem Schotterplatz. Und nein, es sind keine Casinos 😉












