Tropical beach

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Tag 25 & 26 – Vom Brotsalat zum Regendach

Tja, liebe Freunde und Familie, am Mittwoch haben wir noch einmal einen letzten sonnigen Tag genossen, und zwar mit voller Absicht. Die Wetter-App hatte für die kommenden Tage nämlich nur noch ein Symbol im Angebot: Wolke mit Tropfen. Also lieber jetzt noch jeden Sonnenstrahl einsammeln, solange er gratis ist.

Mittags übernahmen die Mädls die Küche. Kochstunde stand auf dem Stundenplan, und auf dem Tisch landete ein fantastischer Brotsalat: knusprige Brotwürfel, Tomaten, Gurken, rote Zwiebeln, Oliven und Feta. Alles war so hübsch durchgemischt, dass man kurz überlegt, ob man ihn fotografieren oder essen soll. Wir haben uns für beides entschieden. Das Schönste daran war aber gar nicht der Salat, sondern die zwei Köchinnen dahinter. Es ist so schön zu sehen, wie unbeschwert die beiden sind, wie wohl sie sich fühlen und wie eng wir als Familie zusammengerückt sind. Das steht in keinem Reiseführer, und genau deswegen sind wir eigentlich unterwegs.

Den Nachmittag verbrachten wir am Strand. Es wurde gemalt und der fünfte Teil von Harry Potter weitergelesen. Dann kam der Auftritt des Tages: Eine Kuh spazierte gemütlich ins Meer und blieb bis zum Bauch im Wasser stehen. Sie schaute über die Schulter zu uns herüber, als wollte sie fragen, was wir denn so anstarren. Ein paar Hunde leisteten ihr am Ufer Gesellschaft, offenbar die Badeaufsicht. Hier ist eben alles ein bisschen anders. Bei uns daheim geht die Kuh auf die Alm, in Albanien geht sie baden.

Am Abend fiel dann die Entscheidung: Für die Regentage tauschen wir das Dachzelt gegen ein festes Dach und ziehen am nächsten Tag in ein Airbnb-Apartment. Das fällt uns schwer, denn unsere Pflegehunde müssen wir zurücklassen. Der eine hat diesen Dackelblick. Der andere wirft sich neben Heiners Homeoffice-Stuhl zum Bauchkraulen auf den Rücken, als wäre er hier der eigentliche Chef. Sind die nicht entzückend?

Am Donnerstag ging es also weiter in den Süden, bis kurz vor den Nationalpark Butrint. Der steht ganz oben auf unserer Liste, und das zu Recht. Butrint ist eine antike Stadt auf einer kleinen Halbinsel zwischen dem Butrint-See und dem Vivari-Kanal, nicht weit von der griechischen Grenze. Griechen, Römer, Byzantiner und Venezianer haben hier über zwei Jahrtausende hinweg gebaut, und jeder hat ein Stück stehen lassen: ein antikes Theater, ein Baptisterium mit Mosaikboden, Stadtmauern, eine Basilika und obendrauf eine venezianische Burg. Seit 1992 gehört das Ganze zum UNESCO-Welterbe. Geschichtsunterricht mit Seeblick also, wir werden berichten.

Vorher stand aber noch der Einkauf an. Im Geschäft entdeckte eine unserer Damen einen Besen und drehte gleich eine Proberunde durch den Gang: halb Quidditch-Training in Hogwarts, halb Bibi Blocksberg auf Kartoffelbrei. Abgehoben hat sie zwar nicht, aber der Wille war eindeutig da. Danach bezogen wir unser neues Zuhause, ein authentisches albanisches Haus. Im Erdgeschoss wohnt ein sehr liebes Ehepaar um die 75, denen das Haus gehört. Rundherum laufen jede Menge Tiere herum, und dahinter liegt ein Gemüsegarten, bei dem jeder Schrebergärtner in Österreich vor Ehrfurcht den Gartenschlauch fallen lassen würde.

Dann ist mir nach einer Weile etwas aufgefallen: Wir alle suchen gerade Ruhe. Jeder verzog sich in ein eigenes Zimmer und genoss die Zeit für sich allein. Wochenlang haben wir im Dachzelt den Schnarcher des Nachbarn quasi mitgeatmet. Da ist eine geschlossene Tür plötzlich der größte Luxus. Es wurde ein bisschen gelernt, aber ansonsten wurde so richtig abgehangen und gechillt.

Ach ja, und fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Es wird Wäsche gewaschen!!! Mit einer echten Waschmaschine! Wer wochenlang aus dem Kofferraum gelebt hat, weiß, dass dieser Satz drei Rufzeichen verdient. Das Brummen der Trommel klingt gerade schöner als jedes Meeresrauschen.

digitnow