Gestern, am Samstag, hieß es wieder: Reisetag. Es ging 2 Stunden weiter in den Süden, bis kurz nach Vlora. Klingt nach einer gemütlichen Etappe, wäre es auch gewesen, hätten wir nicht unterwegs einen kleinen Abstecher in die Antike eingelegt.
Auf dem Weg lag nämlich Apollonia, und da kann man nicht einfach vorbeifahren. Die Stadt wurde um 600 v. Chr. von griechischen Siedlern aus Korinth und Korfu gegründet und nach dem Gott Apollon benannt. Unter den Römern blühte sie dann so richtig auf und wurde zu einer bedeutenden Handels- und Bildungsstadt, eine Art Elite-Uni der Antike. Der junge Octavian, der spätere Kaiser Augustus, studierte hier, als ihn die Nachricht von Caesars Ermordung erreichte. Man stelle sich vor: Hausübung am Hügel über dem Meer, und plötzlich wird man Weltgeschichte. Heute stehen noch die Säulenfassade des Buleuterions, des alten Ratsgebäudes, ein kleines Odeon und Reste der Stadtmauern, dazu ein mittelalterliches Kloster samt Museum. Ein wunderschöner Ausflug und sehr beeindruckend. Und eine Schulstunde, für die niemand eine einzige Ausrede erfinden musste.
Ganz unbeschwert war der Spaziergang allerdings nicht. Teile der Hügel rund um die Ausgrabungen sind schwarz verkohlt, denn in den letzten Wochen hat es hier gleich mehrmals gebrannt: Ende September geriet das Abbrennen von Ernteresten auf den Feldern bei starkem Wind außer Kontrolle, und am 30. September loderte erneut ein großer Brand in den Hügeln beim Archäologiepark. Olivenhaine und Sträucher sind den Flammen zum Opfer gefallen, die antiken Mauern stehen zum Glück noch. Und auch auf unserer Weiterfahrt stieg neben der Straße eine riesige Rauchsäule über den Feldern auf. Da läuft es einem schon kalt über den Rücken. Wir hoffen sehr, dass die Menschen und die Natur dort bald wieder durchatmen können.
Weil wir uns in Apollonia so viel Zeit genommen haben, kamen wir erst sehr spät an unserem Nachtquartier an. Und hier gilt: Sauber ist nicht gleich gemütlich. Obwohl alles sehr, sehr sauber ist, werden wir nur 1 Nacht bleiben. Die Stellplätze sind eng, und irgendwie ist es unsympathisch. Manche Orte haben eben Charme, andere nur einen sehr fleißigen Putztrupp. Nach den Wochen am großzügigen Strandplatz sind wir in Sachen Platz vermutlich auch ein bisschen verwöhnt.

















