Tropical beach

, ,

Tag 22 & 23 – Vom Sonntagsfrieden zur Malstunde

Jetzt sind schon wieder 2 Tage vergangen. Wahnsinn, wie die Zeit läuft! Man blinzelt einmal in die Sonne, und schon hat der Kalender umgeblättert. Nach dem engen, unsympathischen Zwischenstopp sind wir in Qeparo gelandet, und das ist genau das Gegenteil: ein wunderbares Stück Land voller Ruhe und Ursprünglichkeit. Schilfdächer über den Liegen, Kiesstrand vor den Füßen, Berge am Horizont und ein Meer, das sich offenbar vorgenommen hat, heute niemanden zu stören. Hier hat sogar die Kuh unter dem Olivenbaum mehr Gelassenheit als so mancher Mensch im Büro.

Ganz so friedlich war die Gegend allerdings nicht immer. Gleich ums Eck liegt die Bucht von Porto Palermo, und dort klafft ein dunkles Betonportal im Hügel: ein Tunnel, den das Hoxha-Regime 1969 in den Fels sprengen ließ, im Volksmund nur „der U-Boot-Tunnel“. Vermutlich lagen hier vor allem schnelle Kriegsboote der Küstenwache auf der Lauer, bis 1991 war die Anlage in Betrieb. Heute ist sie stillgelegt, aber immer noch militärisches Sperrgebiet. Ein seltsamer Anblick: unten das türkise Wasser wie aus dem Reiseprospekt, oben ein Bunkereingang wie aus einem Agentenfilm. Albanien schafft es immer wieder, Idylle und Geschichte in ein und dasselbe Foto zu packen.

Der Sonntag war dann genau das, was ein Sonntag sein soll: entspannt und mit viel Ruhe. Baden, schnorcheln, Sonne tanken, spielen. Kein Programm, kein Zeitplan, keine Abfahrt. Das Anspruchsvollste des Tages war die Entscheidung, ob man sich lieber auf den Bauch oder auf den Rücken dreht.

Am Montag ging es dann wieder weiter mit Schule und Arbeit, der Laptop zog unter das Schilfdach, die Schulhefte auf die Liegen. Die Zeit vergeht leider so schnell, und trotzdem blieb gestern noch Zeit zum Malen. Bildnerische Erziehung steht schließlich auch auf dem Lehrplan 😉 Und welches Klassenzimmer kann schon mit Meerblick, Wasserfarben und einem Badetuch als Zeichentisch dienen? Die beiden saßen da, konzentriert über ihre Blätter gebeugt, als hätten sie einen Auftrag für die nächste Ausstellung. Danach wurde noch gespielt und die Sonne genossen, bis sie sich hinter den Bergen verabschiedet hat.

Das Schönste an all dem: Wir verbringen den ganzen Tag im Freien. Von früh bis spät, beim Lernen, Arbeiten, Essen und Faulenzen, die einzige Decke über unseren Köpfen ist aus Schilf. Zu Hause würde man dafür extra einen „Outdoor-Tag“ ausrufen, hier ist es einfach Alltag.

Lisa und Heiner

Wir versuchen die Beiträge zusammen zu schreiben aber jeder hat seine Stärken und Schwächen und so werden es wohl mehr Text von Lisa sein. Ihr könnt ja im späteren Verlauf erraten, wer welche Texte geschrieben hat ;-)