Woche drei beginnt, und zwar leise. So leise, dass Montag und Dienstag gemeinsam in einen Eintrag passen. Nicht, weil nichts los war, sondern weil sich langsam etwas einschleicht, das man auf Reisen kaum für möglich hält: Alltag. Der eine Morgen startete mit Krafttraining, der andere nur mit einer Tasse Kaffee am Wasser, das Meer dabei so glatt, als hätte es jemand über Nacht gebügelt. Beides hat seine Berechtigung: das eine für die Muskeln, das andere für die Seele.
Dann ging das Homeschooling los. Und ein Montag ist bekanntlich für niemanden ein Lieblingstag, auch nicht am Meer. Franziska wehrte sich, und zwar mit einer Kreativität, die man sich bei den Aufgaben selbst gewünscht hätte. Gefühlt 100.000 Ausreden später war klar: Auf dem Stundenplan stand heute vor allem ein Fach, nämlich Geduld. Meine. Konsequent sein, ruhig bleiben, nicht die Nerven wegwerfen. Klingt einfach, ist es nicht, und es zehrt sehr, sehr stark an meinen Nerven. Es kostet unglaublich viel Kraft, die richtigen Worte, die richtige Stimmlage und die richtige Körpersprache zu finden, damit die Situation nicht eskaliert und trotzdem klar wird: Das hier muss jetzt sein, eine andere Option gibt es nicht. Diplomatie auf höchstem Niveau, nur eben mit Schulheft statt Verhandlungstisch.
Am Dienstag dann der fliegende Wechsel: Diesmal war es Anna, die Widerstand leistete und ebenfalls um keine Ausrede verlegen war. Die beiden haben das offenbar sauber untereinander aufgeteilt, wie ein gut eingespieltes Staffelteam. Man merkt, dass der „Urlaub“ langsam vorbei ist und daraus ein „neuer Alltag“ wird, in den sich alle erst einmal eingrooven müssen. Aber mit gemeinsamen Kräften und viel Geduld schaffen wir das!
Am Nachmittag ist dann wieder Spaß und Freude angesagt: mit den Hunden spielen, am Strand turnen oder auf der Insel chillen und spielen. Die Schulbank ist vergessen, sobald die erste feuchte Hundeschnauze vorbeischaut.
Apropos Mitbewohner: Nicht alle sind so kuschelig wie die Hunde. Eine Spinne mit rund 7 cm Durchmesser jagt uns hier immer wieder einen gewaltigen Schrecken ein, und zwar nicht allein, sondern mit ihrem gesamten Nachwuchs huckepack auf dem Rücken. Alleinerziehend, acht Beine, null Babysitter. Respekt hat sie sich damit verdient, Sympathie eher weniger.
Und dann war da noch eine Entdeckung im Supermarkt, die uns kurz an unseren Augen zweifeln ließ: schwarze Kichererbsen, die „Ceci neri della Murgia“. Mal ehrlich, wer hat schon einmal dunkle Kichererbsen gesehen? Wir jedenfalls nicht. Man lernt eben nie aus, nicht einmal beim Einkaufen.
Leider ist dieses Meer nicht quallenfrei, und so erwischt es Anna beim Schwimmen am Oberschenkel. Und jetzt kommt’s: kein Gekreische, kein Schreien, obwohl es wirklich schlimm aussieht. Unfassbar, wie tapfer sie ist. Mit Essig die Nesseln neutralisiert, mit Antihistamin-Creme versorgt und mit einer kalten Fanta getröstet, war wieder alles gut. Die Qualle hat sich mit der Falschen angelegt.
Die Routine am Abend funktioniert dabei perfekt: lesen, kuscheln und dann schlafen wir alle friedlich ein. Wer tagsüber so viel verhandelt, schläft nachts wie ein Stein.
Tag 16 und 17: geschafft. Mit Geduld, Essig und Fanta.










